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Konzept Internat

Strasse mit Bäumen
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Überblick

Das Internat und die LVR-Max-Ernst-Schule, Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation in Euskirchen haben eine lange Tradition. Sie wurden im Jahr 1914 als Provinzialeinrichtungen gegründet. 1954 übernahm der Landschaftsverband Rheinland (LVR) die Trägerschaft. In enger Kooperation mit der Förderschule bietet das Internat aktuell 61 Schülerinnen und Schülern im Alter von drei bis im Einzelfall 25 Jahren ein ganzheitliches Wohn- und Betreuungsangebot.

Zielgruppe sind schwerhörige, gehörlose und zentralauditiv wahrnehmungsgestörte Kinder und Jugendliche, häufig mit zusätzlichen geistigen, körperlichen und Lernbehinderungen oder einem erhöhten Förderbedarf in der sozial-emotionalen Entwicklung. Als einzige Einrichtung dieser Art im Rheinland entspricht das Einzugsgebiet dem ganzen Landesteil.

Das Internatsangebot resultiert aus der Größe des Einzugsgebietes und der Spezialisierung der Einrichtung. Es dient in erster Linie der Sicherstellung des Bildungsanspruchs und berücksichtigt auch psychosoziale Gründe, wenn Kinder oder Jugendliche aus schwierigen psychosozialen Umfeldern stammen. Aufnahmen erfolgen nach Zuweisung in die Förderschule durch die Schulaufsichtsbehörde und im Einvernehmen mit dem zuständigen Kostenträger ( i.d.R. dem überörtlichen Sozialhilfeträger ). Das Internat ist eine Wohneinrichtung im Sinne des Landesrahmenvertrages NRW gemäß § 79 Abs. 1 SGB XII.

Leistungsträger ist in der Regel der überörtliche Träger der Sozialhilfe (Landessozialamt beim LVR) nach § 53 SGB XII. Die Vergütung erfolgt im Rahmen der gültigen Vergütungsvereinbarung zwischen Leistungsträger und Einrichtung, differenziert nach Leistungstypen. Das Schulverwaltungsamt im LVR hat die Fachaufsicht für das Internat, das Landesjugendamt (ebenfalls beim LVR) erteilt die Betriebserlaubnis nach § 45 SGB VIII.

Versorgungsleistungen

Das Internat liegt auf dem großzügigen Außengelände der Förderschule im Süden von Euskirchen. Das Stadtzentrum ist zu Fuß in fünf Minuten zu erreichen. Drei Wohngruppen befinden sich im behindertengerecht umgebauten und sanierten historischen Internatsgebäude, das außerdem Platz für einen großen Freizeitraum, die Internatsleitung und die Verwaltung bietet. Sechs weitere Wohngruppen bewohnen großräumige, ebenfalls behindertengerecht konzipierte Bungalows. Den Internatsbewohnern stehen ein Sportplatz, ein Grillplatz, Spiel- und Klettermöglichkeiten und die Einrichtungen der Schule (Schwimmbad, Turnhalle, Computerraum) zur Verfügung. Die Überschaubarkeit des Geländes und die kurzen Entfernungen vermitteln Sicherheit. Drei Intensivfördergruppen betreuen jeweils sechs schwerstbehinderte stark schwerhörige bzw. gehörlose Schülerinnen und Schüler. In fünf Integrativgruppen mit 40 Plätzen werden schwerhörige und gehörlose Kinder und Jugendliche gemeinsam mit schwerstbehinderten stark schwerhörigen und gehörlosen Kindern und Jugendlichen betreut. Es handelt sich sowohl um koedukative als auch um geschlechtshomogene, altersgemischte Gruppen. In einer Verselbstständigungsgruppe bereiten sich drei Jugendliche bzw. junge Erwachsene auf ihre Eigenständigkeit vor.

Die Ausstattung der Bewohnerzimmer besteht aus Bett, Nachtschrank, Kleiderschrank, Wandregal, Schreibtisch und Stuhl. Je nach Art der Behinderung kommen spezielle Hilfsmittel hinzu. Ihre Räume (überwiegend Einzelzimmer) können von den Kindern und Jugendlichen und ihren Eltern individuell gestaltet und auf ihren Geschmack abgestimmt werden, um sich wohl und geborgen fühlen zu können. Die von allen genutzten Räume werden von den Bewohnern und ihren Erziehern gemeinsam wohnlich gestaltet.

Die Verpflegung der Schülerinnen und Schüler übernimmt eine zentrale Küche in der Schule, die das Mittagessen zubereitet und für die anderen Mahlzeiten die Lebensmittel liefert. Kulturelle, religiöse und behinderungsspezifische Bedürfnisse beim Essen werden berücksichtigt. In jeder Gruppe unterstützt eine Angestellte das pädagogische Team bei der Hauswirtschaft und verantwortet die Sauberkeit. Es kann eine einrichtungsinterne Wäscherei in Anspruch genommen werden.

Betreuungsleistungen

Die Betreuungsleistungen und die Pädagogik im Internat orientieren sich an zentralen Grundsätzen:

  • Ziel ist es, die Möglichkeiten der Kinder und Jugendlichen zu Selbstbestimmung und Selbständigkeit und damit zur Teilhabe, so weit wie individuell möglich, zu fördern.
  • Dabei steht die ganze Persönlichkeit mit allen Aspekten des Denkens, des Fühlens, des Handelns und ihren sozialen Bezügen im Vordergrund, das Handicap ist ein wichtiger Aspekt, aber nicht zwangsläufig und nicht immer das Zentrum der Aufmerksamkeit (Ganzheitlichkeit).
  • Das Betonen und Erweitern von individuellen Stärken und Fähigkeiten führt zu mehr Selbstvertrauen und Zufriedenheit und stellt einen gleichberechtigten Schwerpunkt zu den Bemühungen zum Ausgleich der Behinderungen dar (Ressourcenorientierung).
  • Es wird die größtmögliche Selbstständigkeit angestrebt, dazu gehört auch das Vermeiden von Überbehütung (Hilfe zur Selbsthilfe).
  • Neben den durch Planung strukturierten Anteilen der Betreuung, bieten spontane, alltagsorientierte und zufallsbedingte Lernsituationen besonderes Lernpotential (situationsorientierter Ansatz).
  • Die Arbeitszeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Internates bedingen sich durch die Anwesenheitszeiten und die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen (aufgaben-orientierter Personaleinsatz).
  • Alle Kinder bzw. Jugendlichen werden im Internat altersgemäß und entsprechend ihren Behinderungen an allen sie betreffenden Entscheidungen beteiligt (Partizipation).
  • Die unterschiedlichen Bedürfnisse vom weiblichen und männlichen Internatsbewohnern, gerade in den Phasen der Identitätsfindung werden berücksichtigt (geschlechts-spezifischer Ansatz).
  • Alle kulturellen und religiösen Anliegen finden Beachtung (interkulturelle Offenheit).
  • Jedes Kind bzw. jeder Jugendliche gehört nach Möglichkeit während seines gesamten Aufenthaltes im Internat derselben Gruppe an (Gruppenkonstanz). So wird Sicherheit durch Zugehörigkeit und der Aufbau von Vertrautheit und Vertrauen ermöglicht. Beziehungsabbrüche und Umgewöhnungskonflikte werden weitgehend vermieden.
  • Für jeden Internatsbewohner ist eine Betreuerin oder ein Betreuer in besonderer Weise verantwortlich (Bezugspersonensystem). Die Bezugspersonen erstellt und dokumentiert die individuellen Erziehungs- und Förderpläne in Absprache mit den anderen pädagogischen Mitarbeitern und der Leitung und verantwortet die Umsetzung. Durch den häufigen Kontakt und persönlichen Bezug wird die Möglichkeit eines gegenseitigen Vertrauensverhältnisses gefördert. Im Alltag finden die Internatsbewohner natürlich in jedem Betreuer bzw. jeder Betreuerin einen Ansprechpartner.

Durch die familienergänzende und teilweise -ersetzende Sozialerziehung werden soziale Kompetenzen erlernt, die in der Familie noch nicht oder noch nicht genügend vermittelt wurden oder aktuell entsprechend der individuellen Entwicklungsphase anstehen.

Im emotionalen Bereich geht es um die Begleitung von Sorgen, Ängsten, Enttäuschungen und Konflikten, nicht selten nach traumatischen Erlebnissen in der Vergangenheit. Die Erzieherinnen und Erzieher des Internates unterstützen die (Schul-) Bildung ihrer Betreuten in enger Zusammenarbeit mit der Schule durch Hilfen bei den Hausaufgaben und ergänzende Übungen.

Die Ziele der situationsorientierten und in Kursen organisierten Entwicklungsförderung orientieren sich an der individuellen Ausgangslage jeden Kindes oder Jugendlichen und in dem Bewusstsein, dass viele Einschränkungen miteinander in einer Wechselwirkung stehen. Da bei unseren Kindern und Jugendlichen die auditive Sinneswahrnehmung nicht oder nur sehr eingeschränkt vorhanden ist, müssen die verbliebenen Sinne, soweit wie möglich, diese Wahrnehmungslücke kompensieren. Daher wird eine lebendige und ausdrucksstarke Mimik und Gestik gefördert, die Gebärdensprache trainiert und der Wortschatz erweitert, um mehr Kommunikation und damit Teilhabe zu ermöglichen. Unterstützend, weil stimulierend und das Selbstbewusstsein unterstützend, wirken sportliche bzw. Bewegungsangebote wie Psychomotorik, Trampolinspringen, Schwimmen und das Benutzen von Kettcar, Roller und Fahrrad und alle Ausdrucksmöglichkeiten im musischen oder gestalterisch-kreativen Bereich. Trainingsziel der - alltagsorientierten - lebenspraktischen Förderung, z. B. der räumlichen und zeitlichen Orientierung und der Wege- und Verkehrssicherheit, ist eine verbesserte Wahrnehmung der Umwelt und damit ein höheres Maß an Selbständigkeit und Zufriedenheit. Bei vielen Internatsbewohnern kombiniert sich die starke Hörbehinderung oder die Gehörlosigkeit mit anderen wesentlichen geistigen und körperlichen Behinderungen.

Folge ist ein erhöhter Personalbedarf für Pflege- und Assistenzleistungen allgemein in den Bereichen Körperpflege, Nahrungsaufnahme, Toilettengänge und Bekleidung.

Im Freizeitbereich wird einerseits Raum geboten Zeit durch Sport, das Treffen von Freunden und Hobbys individuell zu gestalten, andererseits gibt es strukturierte Angebote der Einrichtung in den Bereichen Sport-, Spiel-, Theater- und Tanz und außenorientierte Aktivitäten wie Kino-, Theater-, Museumsbesuche und Exkursionen. Durch die Internatsunterbringung von Montag bis Freitag verbringen die Kinder und Jugendlichen den überwiegenden Teil der Woche außerhalb der Familie.

Um die Zusammenarbeit mit den Familien unserer Kinder und Jugendlichen möglichst intensiv zu gestalten, werden Mitteilungshefte benutzt, die wöchentlich zwischen Internat und Zuhause hin und her geschickt werden. In diesen Hefte wird alles Wissenswerte eingetragen, bis hin zu den alltäglichen Erlebnissen, um die Eltern intensiver am Leben ihres Kindes teilhaben zu lassen. Außerdem gibt es regelmäßige telefonische Kontakte und die Familien sind jederzeit eingeladen die Internatsgruppe zu besuchen, auch unabhängig von den regelmäßigen Festen im Internat und in der Schule. Im Gegenzug gibt es Hausbesuche, um die unmittelbare Umgebung des Kinder und Jugendlichen kennenzulernen. Zusätzlich finden zweimal im Jahr Elternsprechtage und regelmäßig Erziehungsplanungsgespräche statt.

Personal
Die Betreuungsarbeit im Internat wird von einem multiprofessionellen Team bestehend aus Heilpädagoginnen, Erziehern, Krankenpflegerinnen und Heilerziehungspflegern geleistet. Die Internatsleiterin ist Heilpädagogin. Die Qualifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entspricht den Bestimmungen des Rahmenvertrages und dem Fachkräftegebot der SGB VIII. Behindertenspezifische Zusatzqualifikationen, wie Psychomotorik und Gebärdensprache, werden berufsbegleitend erworben. Die Internatsleitung und die Stellvertretung sind vom Gruppendienst freigestellt und verantworten die Bereiche Regie, Controlling / Qualitätssicherung und Mitarbeiterführung. Die Stellvertretung bietet außerdem gruppenübergreifend heilpädagogische Förderung und Freizeitangebote an.

In den Intensivfördergruppen betreuen drei Fachkräfte sechs Kinder und Jugendliche (Personalschlüssel 1 : 2). In den Integrativgruppen arbeiten drei Pädagoginnen bzw. Pädagogen für acht Kinder und Jugendliche (Personalschlüssel 1 : 2,7). Für die Verselbstständigungsgruppe sind zwei Fachkräfte zuständig. Ergänzt werden die Gruppenteams durch jeweils eine Haushaltshilfe. Zwei Krankenpflegerinnen, die den Nachtdienst abdecken, sowie Erzieheranwärter (Praktikanten ) komplettieren die Teams.

Die Internatsbewohner verbringen die Wochenenden und die Schulferien in ihren Familien. Im Internat werden sie von Montag ca. 9:00 Uhr bis Freitag mittags betreut. Ausgenommen sind die Unterrichtszeiten, in denen das Betreuungspersonal die Arbeit grundsätzlich unterbrechen kann, teilweise aber benötigt wird, um akut kranke Kinder und Jugendliche zu versorgen, Elterngespräche zu führen, Berichte zu schreiben, Förderpläne zu erarbeiten und Verwaltungsarbeiten zu erledigen. In diesen Zeiträumen finden außerdem die Teamsitzungen und die Supervision statt.

Die zwölf Wochen Schulferien pro Jahr werden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch wöchentliche Mehrarbeit abzüglich des persönlichen Urlaubsanspruches „herausgearbeitet". Die Betreuung erfolgt ab 22:30 Uhr (Verselbstständigungsgruppe ab 21:00 Uhr) durch eine Kombination aus dem Nachtdienst einer Krankenpflegerin für die Internsivfördergruppen und die Verselbstständigungsgruppe und den Bereitschaftsdienst der Betreuer und Betreuerinnen (Schlafbereitschaft) in den Integrativgruppen. Die Internatsleitung gewährleistet parallel dazu eine lückenlose Rufbereitschaft für Notfälle.

Qualitätssicherung

Die Qualitätssicherung der Einrichtung entspricht den Vorgaben des § 10 des Landesrahmen-vertrages zur Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität und wird in einer jährlichen Leistungsdokumentation nachgewiesen. Intern erfolgt das Qualitätscontrolling der Internatsleitung in Gruppenleiter- und Teambesprechungen, durch Mitarbeitergespräche, beim Aufstellen der auf einer systematisierten Beobachtung und Auswertung basierenden Förderpläne und beim Abfassen der Entwicklungsberichte bzw. im Rahmen der individuellen Hilfeplanung. Für jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter sind Fortbildungen auf eigene Initiative und auf Empfehlung der Leitung möglich. Das Budget für Supervision kann, je nach Notwendigkeit, für Teams oder für Einzelpersonen, punktuell oder prozessbegleitend eingesetzt werden.

Die gründliche Einarbeitung neuer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen erfolgt durch die Gruppenleitungen und wird von der Gesamtleitung begleitet. Geplant sind eine jährliche Selbstevaluation unter Einbeziehung des Trägers und themenorientierte „Kundenbefragungen" über anonymisierte Fragebögen bei den Erziehungsberechtigten unserer Kinder und Jugendlichen und, soweit möglich, bei diesen selbst. Das Internat ist in ein engmaschiges Kooperationsnetzwerk eingebunden. Die intensive Zusammenarbeit mit der Förderschule basiert auf einer Vielzahl von alltäglichen Kontakten, Absprachen, gemeinsamen Leistungen für die Kinder und Jugendlichen und die verknüpften Förderplanungen

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